Geduldig sein, macht Platz zum Glücklichsein. Lucia Peinado – Dienerin des Malspiels

Cafe 9, Lucia Peinado, nervous analytics

Heute treffe ich mich mit Lucia Peinado. Sie ist Textil- und Flächenkünstlerin und seit letztem Jahr auch zertifizierte Dienerin des Malspiels nach Arno Stern. Sie inszeniert und arbeitet an Malorten und ist mit ihrer Mobilen Malwand unterwegs, u. a. in Schulen.

nervous analytics: Hallo Lucia, schön dass du da bist. Als erstes würden wir natürlich gerne wissen wollen, was das Malspiel ist und was es bedeutet, Dienerin des Malspiels zu sein?

Lucia Peinado: Malspiel bedeutet, unseren Ausdruck mit Pinsel und Farbe auf das leere Blatt zu bringen. Frei und spontan. Das Dienen ist wie ein Werkzeug, das dem Menschen hilft, die Freude am eigenen Audruck zu aktivieren und zu motivieren.
Die meisten sagen doch heutzutage, ich kann nicht malen. Damit meinen sie meistens, sie können nicht malen, wie jemand aus dem Kunstbereich.
Aber das ist ja nicht das, was gefragt ist. Gefragt ist ja ihre eigene Spur, und nicht die von Picasso oder van Gogh.

nervous analytics: Und du bist also quasi das Werkzeug?

Lucia Peinado: Ja, ich bin da, bereite alles vor, achte im Prozess zum Beispiel darauf, dass die Farben immer aufgefüllt sind. Ich schaffe es, dass die Malenden zu sich kommen und sich selbst und ihre Welt mit dem Pinsel und ihrer Spur erforschen. Kinder können das noch, Erwachsene können das irgendwann nicht mehr. Wenn ich das mit Jugendlichen schaffe, ist es wie ein Erwachen. Der Mensch entdeckt auf einmal etwas ganz neues an sich. Das macht er dann sichtbar mit der Farbe. Es ist ganz zart, immer nur ein Funken. Ganz minimal. Dann öffnet er die Augen und versteht auf einmal etwas, was er vorher nicht verstanden hat. Das kann man in Worten nicht erfassen. Es ist etwas Sinnliches. Arno Stern nennt es eine organische Formulation in uns.

nervous analytics: Wie kamst du zum Malspiel?

Lucia Peinado: Das kann ich dir in drei Worten sagen. Überschuss. Überdruss. Umlenkung.

Ich wollte keine Produkte mehr schaffen, sondern den Prozess näher beleuchten. Wir malen nicht, um produktiv zu sein, sondern darum, dass es uns besser geht, gut geht, um uns auszudrücken. Ich möchte mich nicht zum Sklaven der Kunst zu machen, sondern ich möchte der Kunst dienen.

nervous analytics: Momentan bist du viel mit deiner Mobilen Malwand unterwegs. Was unterscheidet sie vom Malort? Und wie ist die Resonanz von Schulen auf dein Angebot?

Lucia Peinado: Die Mobile Malwand ist eine Vorstufe vom Malort. Dadurch, dass nicht alles so hundertprozentig ist. Der Malort ist ein fester Ort, ein eigener Raum und alles drumherum ist auf den ungestörten Malprozess ausgerichtet. Im Malort kommen die Bilder aus der Tiefe, aus der Erinnerung.
Das Konzept begeistert Schulen und andere Institutionen, doch es ist ihnen zu teuer. Es sind meist private Leute, die diese Malorte schaffen und an zahlende Interessenten anbieten.
Aber es sind auch mehrere Schritte nötig, um im Bewusstsein der Menschen etwas zu wecken. Ich habe noch viel Abfallmaterial am Ende einer Maleinheit. Die Menschen malen Bilder aus den Medien, aus den Handys, den Tablets, den Zeitungen. Es sind keine Bilder aus den Menschen.
Wir sind von den Medien so übervoll. Und jetzt komme ich als kleine Künstlerin und gehe auf die Straße und sage, dass es euch stärkt, eure eigenen Bilder zu malen.
Alles zeigt darauf hin, dass es einen Malort braucht. Aber das ist einfach einen Schritt zu groß für den Moment. Die Stufe ist zu hoch von jetzt (Medienbilder) zu jetzt in den Malort. Es muss etwas dazwischen geben. Für mich ist das Dazwischen die Mobile Malwand.

nervous analytics: Vielen Dank liebe Lucia für das Interview und deine Leidenschaft.

 

 

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