Do you wanna have a dance?

Sophiensäle Berlin, Performingartfestival, Mira Fuchs

Circa 30 Besucher*innen sitzen im Stuhlkreis. Mira Fuchs betritt Raum sowie Stuhlkreis und beginnt sofort damit, sich auszuziehen. Währenddessen sie sich entkleidet, führt sie in ihre Performance ein. Sie wird für uns tanzen. Für jeden einzelnen, wenn gewünscht. Sie formuliert die Regeln, laut und deutlich und in regelmäßigen Wiederholungen. Nein, heißt nein. Berührt wird nicht, es sei denn sie fordert dazu auf. Derjenige, der gerade einen Tanz „erhält“, sitz aufrecht auf dem Stuhl, beide Beine gespreizt und dabei fest auf den Boden stehend, die Arme auf den Lehnen.

Nachdem ich bei der Aktion nun schon innerlich tausend Tode gestorben bin, bei dem Gedanken daran, dass sie die ganze Performance womöglich nackt durchzieht und ich nicht weiß wo ich hingucken soll, weil gefangen in diesem kleinen Stuhlkreis, alles so nah, zwängt sich Mira in einen hautfarbenen Anzug. Gott. Sei. Dank. 

Dann die große Frage: Wer möchte einen Tanz von ihr?

Wieder normal atmend, hoffe ich nur, dass sich jemand meldet und ich nicht zufällig als erster angetanzt werde, sondern mich weitweit zurücklehnen kann. Ein Mädel tut dies dann auch. Sie ist so mutig und ich bin gespannt.

Mira geht mit einem Stuhl auf die junge Frau zu und stellt ihn vor sich und dem Mädel ab. Nach einem kurzen hey-und-how-are you-smalltalk, dann noch mal, die persönliche und entscheidene Frage: Do you wanna have a dance?

Die junge Frau bejaht. Mira setzt sich auf den Stuhl und guckt der Frau gegenüber fest in die Augen. Dann steht sie entschlossen auf und beginnt zu tanzen. Sie bewegt sich auf und ab, setzt sich auf den Schoß der Frau, bewegt sich auch hier auf und ab, vor und zurück, streichelt sich über ihren Körper und fährt sich durch die Haare. Dann haucht sie ihr einen Kuss auf die Wange, bedankt sich höflich und wünscht ihr eine gute Nacht.

Komisch, es war ganz harmlos. Keine Ahnung, was ich gedacht habe. Der Tanz von Mira interessierte mich letztendlich irgendwie kaum. Ihre Bewegungen waren fließend, aber auch mechanisch. Nähe war es nicht, was hier transportiert wurde. Und sehr interessant war es, Miras Gegenüber zuzusehen. Ich Voyeur.

So geht es nun den Stuhlkreis durch. Do you wanna have a dance? Thank you and good night.

Zwischen den „private“ Tänzen hält sie u. a. einen kleinen Vortrag als Dr. Fuchs und der Präsentation ihrer Forschungsergebnisse zu fünf Prototypen von Kunden.

Mira Fuchs ist das Pseudonym der Performerin Jame Wolf, die selbst acht Jahre lang als Stripperin in diversen Nachclubs Australiens unterwegs war. In Ihrem Stück setzt sie sich mit dem Körper als Ware auseinander, berichtet von ihren Erfahrungen im Umgang mit Drogen, Geld und Sex in dem Geschäft.

Einen Tanz tanzt sie für alle Anwesenden. In der Mitte des Stuhlkreises. Dazu läuft der Song Ha von HTRK. Goil. Gleich für euch verlinkt. Laut machen. Bewegen. Fühlen.

Naja, am Ende bin ich dann selbst dran und anworte mit ja, auf ihre Frage des Abends. Aber da war alles nur noch halb so schlimm.

Großartig war´s. Intensiv und wat herrlich, doch wieder so auf sich selbst zurückgefworfen und konfrontiert zu werden.

Inszenierter Voyeurismus.

Im Blog des PAF spricht die Autorin, darüber, wer hier wohl letztendlich vorgeführt wird. Sie hat wohl recht :).

Thx to Mira Fuchs, Jame Wolf und allen mittendrin.

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